• Sylvia Leisi, Owner at SYAL GmbH

Mit Sicherheit spannend: Das erste Mal in den Iran


Blog in Drei Teilen (Teil 1)

In den folgenden Beiträgen werden wir Sie für eine anstehende Geschäftsreise in den Iran vorbereiten. Von Sylvia Leisi, Owner by SYAL, Business Projects Switzerland - Iran.


«Sie müssen nicht bezahlen.»

Habe ich den Taxifahrer richtig verstanden…? - «Nein, nein, Sie müssen nicht bezahlen.»

Aber fangen wir bei Ihren Reisevorbereitungen an. Diese unterscheiden sich grundsätzlich nicht von anderen Reisen, die Sie schon getätigt haben. Iran ist anders, aber weniger als Sie annehmen.

Salaam Tehran

Ihr potenzieller Kunde hat Sie nach Teheran eingeladen und Ihnen vom entsprechenden Ministerium eine Referenz-Nummer zukommen lassen. Diese ist zwingend notwendig, auch für private Reisen. Erkundigen Sie sich bei der iranischen Botschaft in Bern über die aktuellen Visum- und Einreisebestimmungen. Ein Touristenvisum kostet momentan CHF 58.-, ein Geschäfts-Visum CHF 69.-. Die Wartezeit beträgt infolge des boomenden Tourismus je nach Jahreszeit zwischen zwei bis drei Wochen. In den Monaten Juli und August sowie Dezember und Januar geht es schneller.

Nach der Ankunft im Imam Khomeini Airport - unpersönlicher als hier wird es während des ganzen Aufenthaltes nicht- können Sie direkt zur Passkontrolle, Kolonne «FOREIGN» . Bleiben Sie in der linken der beiden Kolonnen, so können Sie bei weniger Personen zum Schalter «IRANIAN» wechseln. Flughafenbeamte sind auch hier einigermassen emotionslos. Mit einem kleinen Salaam oder shoma tschetor hastid? (wie geht es Ihnen) können Sie ihm vielleicht ein Lächeln oder mamnoon choob hastam (danke es geht mir gut) entlocken.

Seit ein paar Monaten besteht für viele Nationalitäten die Möglichkeit in Teheran und anderen iranischen Flughäfen ein «Visa On Arrival» (VOA) zu bekommen. Da es momentan recht viel Touristen und auch Geschäftsreisende hat, empfehle ich trotzdem das Visum vorgängig einzuholen. Je nach Ankunftszeit ist es auch nicht jedermanns Sache inmitten von um den Schlaf geraubten und leicht irritierte Reisenden um die Visa-Schalter zu stehen und sich durchzukämpfen.

Transport

Im Normalfall wird die Abholung am Flughafen durch Ihren Kunden organisiert. Die

Ankunftshallen sind überschaubar und im internationalen Vergleich klein. Lassen Sie sich zur Sicherheit trotzdem die Handy-Nummer des Taxifahrers geben. Eine Tafel Schokolade oder ein Päckchen Marlboro Rot als Mitbringsel wird die Fahrt nicht verkürzen, aber Sie werden schon einen ersten Freund haben.

Der Flughafen liegt rund 40km ausserhalb der Stadt und die Fahrt ins Stadtzentrum und den Norden, wo die meisten Geschäftshotels sind, dauert je nach Tageszeit vierzig Minuten bis eine Stunde. Falls Sie in den frühen Morgenstunden ankommen, geniessen Sie die ruhige und schnellere Fahrt. Der Verkehr in und um Teheran ist nicht nur legendär, sondern auch öfters ein Thema. Mehr über Pünktlichkeit und Tipps rund um Geschäftstreffen erfahren Sie im dritten Blog.

Iranische Privatsphäre ist ein Kapitel für sich, und im Auto zu sein erscheint fast schon als fahrender Freiraum. Nicht nur gibt es eine Vielzahl im Fahrzeug gedrehte Filme, es gilt beim Fahren auch das Prinzip Flexibilität und Innovation. Wundern Sie sich nicht, dass Fahrer Helden des Multitaskings sind: telefonieren (sie haben oft mehrere), am Fenster kurbeln, Geldscheine für die Maut-Station hervorklauben und Sie fragen «Do you like Iran»? Er wird Sie aber sicher und wohlbehalten an Ihr Ziel bringen.

Nein ist vielleicht Nein

Falls Sie selber ein Taxi nehmen wird der Fahrer sagen «Sie müssen nicht bezahlen». Insistieren Sie zwei, drei Mal, bis er schlussendlich einwilligt. Bravo! Sie haben die erste iranische Kommunikations-Grundregel gemeistert, sie heisst Taarof. Diese anerzogene Höflichkeit verlangt, dass man sich dem Gesprächspartner und vor allem dem Gast gegenüber sehr zuvorkommend verhält. Wer sofort JA sagt, zum Beispiel wer sofort von den angebotenen Früchten isst, gilt als gierig.

Lassen Sie sich nicht durch den Satz «Ich habe kein Taarof» beirren. Jüngere oder vielgereiste Iraner sind vielleicht weniger indirekt. Taarof beinhaltet aber weit mehr als blosse Höflichkeit. Niemand wird sie so leicht ignorieren können.

Iraner sind in jeder Situation, ob geschäftlich oder privat, wahre Meister darin, mit für uns unsichtbaren Untertiteln und zwischen den Zeilen zu kommunizieren. Dies hat auch mit der sehr poetischen Sprache zu tun.

Es wird einige Reisen und noch viel mehr Meetings brauchen, bis Sie die Finessen – und das in einer Fremdsprache – bemerken. Das heisst für Sie erstmals:

  • Nie ein Nein als ein Nein interpretieren

  • Nie ein Ja als ein Ja interpretieren

Was Umgangsformen im Allgemeinen betrifft, kann man sagen: Lernen Sie Taarof von den Iranern. Sie werden weniger Missverständnisse erleben und es während Verhandlungen leichter haben.

«Wir treffen uns am Vanak Square»

Normalerweise wird Ihr Kunde Sie durch einen Fahrer abholen lassen. Falls Sie sich jedoch einmal in der Stadt verabreden, vereinbaren Sie einen genauen Treffpunkt. «Vanak Square» allein ist nicht genug, auch wenn man Ihnen das versichert. Die jeweils sehr schön bepflanzten Kreisel sind gross und Fussgängerunterführungen ausser bei Metrostationen selten. Bestehen Sie auf Angabe einer Querstrasse, zum Beispiel «Vanak Square, Haghani Street, auf der Nord-Seite». Wo ist denn bitte der Norden? Das ist in Teheran denkbar einfach: dort wo die schönen Berge stehen. Die Stadt hat Hanglage und erstreckt sich im Norden auf 1800 m bis zum Süden über ca. 700 Höhenmeter.

Strassennamen sind fast immer in Farsi und English angeschrieben. Sie können sich aber je nach politischer Zeit ändern, und dann kennen die älteren Personen manchmal den neueren Namen nicht, oder man benutzt alle Versionen. Noch heute wird umgangssprachlich zum Beispiel von der Jordan Street* gesprochen, die seit der Revolution 1979 in Africa Boulevard umbenannt wurde (geschrieben Afriqa), aber auch als Nelson Mandela Boulevard bekannt ist.

TIPP Um sich ohne Fragerei zurechtzufinden, hilft eine GPS-gesteuerte APP, so spart man auch Roaming-Gebühren, z.B. maps.me. Idealerweise lädt man die zu bereisenden Gebiete im Voraus zu Hause herunter.

Die Strassen, Unterführungen und Tunnels sind in einem guten Zustand, man hält sich an die Weisungen der Lichtsignalanlagen und manchmal an die reservierten Busspuren. Nur als Fussgänger müssen Sie Vorsicht walten lassen. Am besten schliesst man sich Tehranis an, die ebenfalls versuchen den Strom zu durchqueren. Schwarmverhalten bietet Sicherheit.

Bevor man die Sicherheit des Trottoirs verlässt, sollte man an die Kindergarten-Instruktionen denken und die Ohren aktiv mithören lassen. Einbahnstrassen sind Zweibahnstrassen. Das sehen vor allem die Mopedfahrer so!

Alternativ zum Taxi kann ich – wenn es vom Ziel her passt - auch eine Fahrt mit der Metro empfehlen. Die Metro ist sauber, schnell und sehr günstig. Ein Einzelticket kostet IRR 10'000, unabhängig von der zu fahrenden Distanz. Ausserdem kann man während der Fahrt die fliegenden Händler und Händlerinnen (im Frauenabteil) bewundern. Von Socken über Schirme (bei Regen) zu Handy-Ladekabel und Schminkutensilien kann man

alles erstehen. Was als Tourist abwechslungsreich ist, nervt natürlich die Tehraner zur Rush Hour, denn die Verkäufer nehmen mit ihren übergrossen Taschen auch viel Platz weg. Underground Tehran, definitiv eine Reise wert.

Die Metro ist normalerweise von ca. 5:30 Uhr bis 23 Uhr in Betrieb. Die Stationen und Linien sind in lateinischer Sprache gut lesbar. Und sonst einfach fragen, die Iraner und Iranerinnen sind sehr sehr hilfsbereit. Als Mann fragen Sie einen Mann, als Frau kann man Mann oder Frau fragen. Wie sagt man Danke? Ganz simpel «Merci»!

* Jordan ist auch der Name des wohlhabenden Stadtteils, durch den die beliebte Strasse geht

Iran ist gross

Mit einer Fläche von 1.65 Mio m2 erstreckt sich Iran vom grünen Norden her über hohe Berge und das aride Hochland bis hinunter zum Persischen Golf. Auf Europa übertragen heisst dies von Dänemark bis nach Istanbul, von Minsk bis Köln. Auch wenn die meisten Firmen Niederlassungen in Teheran haben, können Reisen in die anderen Städte notwendig und auch sehr interessant sein.

Mietwagen? Wenn man nicht eine eigene Rundreise vorhat, ist eher davon abzuraten. Es gibt wenige Mietwagen-Anbieter und Stationen. Falls Sie sich doch an das Abenteuer wagen, denken Sie daran, dass auch wenn Iran mittlerweile wieder an SWIFT angeschlossen ist, man muss alles mit Bargeld begleichen. Leisten Sie sich lieber einen der Helden zum Wagen, die Preise sind erschwinglich.

Inneriranische Flüge wird ihr Kunde für Sie organisieren. Von ausserhalb Irans etwas zu buchen ist fast unmöglich, denn man benötigt hierzu eine iranische Kreditkarte. Wenn Sie privat unterwegs sind oder kurzfristig etwas buchen wollen wenden Sie sich an ein iranisches Reisebüro oder Bekannte.

Auf Grund der internationalen Sanktionen sind Flugzeug-Flotten etwas in die Jahre

gekommen. Punkto Service und Verlässlichkeit sind Iran Air, Mahan Air und Kish Air zu bevorzugen. Verspätungen sind jedoch einzuberechnen. In Teheran fliegen inner-iranische Flüge vom zentraler gelegenen Flughafen Mehrabad. Falls Sie auf dem Weg dorthin etwas Zeit haben, legen Sie einen kleinen Stopp am Wahrzeichen der Stadt ein, dem Azadi Turm (Turm der Freiheit).

Auch die Iraner reisen gern und oft, weshalb es auch ein sehr gutes Busnetz gibt. Die Terminals befinden sich normalerweise am Stadtrand oder in der Nähe von Autobahn-Zubringern. An den Terminals befinden sich auch die Büros der Busgesellschaften. Fahrpläne sind nicht immer in Englisch vorhanden, aber es hat immer jemanden der Englisch, Deutsch oder Französisch spricht.

Billette kann man bis zu einer Woche vorher kaufen. Eine zwei- bis dreistündige Reise kostet zwischen CHF 9 – 11, fast gleichviel wie ein gutes Essen zu zweit. Auf oft befahrenen Strecken wie zum Beispiel von Teheran nach Isfahan gibt es fast stündlich Busse. Normalerweise hält der Bus unterwegs um sich kurz zu verpflegen. Die vielfältige und schmackhafte Küche ist neben vielem anderem eine gute Ausrede, um nach der Geschäftsreise ein, zwei Tage länger zu bleiben.

Mehr dazu gibt es im nächsten Blog, in dem es neben den persischen Köstlichkeiten auch um fehlende Nullen geht.

Sylvia Leisi, Geschäftsführerin

www.syal.ch Insta und Twitter @syal_pm

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